Reisetagebuch Teil 66…malerische Stadt…ein koloniales Schmuckstück…so oft war ich schon lange nicht mehr in und auf Kirchen!!!
…aber ehrlich gesagt, gefällt mir die herrliche Stimmung, die Atmosphäre und die frische Luft auf den Dächern schon viiiel besser!!! Als der ganze Prunk und die düsteren Heiligensymbole…
…Hahahahaaaaaaaaaaaaa…2015, das neue Jahr ist noch so jung, doch ich schaffe es schon wiiiiieder 2 Monate mit unserem Blog im Rückstand zu sein!!! Gut, ich habe mir ja auch keine neuen Vorsätze genommen
Natürlich hoffen wir, dass ihr einen guten Rutsch ins neue Jahr genommen habt und wünschen euch in dem Sinne nachträglich noch von Herzen alles Liebe und Gute, Glück und Gesundheit im 2015!!! Mal schauen, was es all für schöne Überraschungen für uns alle bereithält?!
Nun muss ich aber meine grauen Hirnzellen etwas anstrengen, um den Faden wieder aufzunehmen…
11.12.14…knappe 2 Wochen verbrachten wir im herrlichen Sucre, im familiären Hostel Takubamba. Hier lernen wir Felipe kennen, der jeweils die Nachtschicht übernimmt, denn tagsüber geht er einer anderen Tätigkeit nach, um seine kleine Familie über die Runden zu bringen…
Mit einem Glühen in seinen funkelnden Augen erzählt er uns seine Geschichte als ehemaliger Minenarbeiter. Die Arbeit sei sehr hart und gefährlich gewesen. Mehrere Wochen waren sie jeweils in der totalen Abgeschiedenheit und den schwersten Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Die Ernährung war sehr eintönig und monoton, und bestand vorwiegend aus Reis und Konserven. Um zwischendurch ihren Speiseplan etwas aufzuwerten gingen sie Jagen und Fischen. Wenn er jeweils zum “Urlaub” zu seiner Familie zurückkehren durfte, wollte er nur noch Unmengen Fleisch verzehren!!!
Bis vor etwa 5 Jahren der tragische Unfall passierte. Sie, er und sein Team setzen 6 Sprengladungen in einem Stollen. 5 detonierten, eine nicht. Sie warteten in sicherer Entfernung 8 Stunden ab, bevor sie sich wieder in Richtung Stollen wagten. Doch wahrscheinlich durch die Erschütterung der eigenen Schritte wurde die letzte Sprengladung ausgelöst, als sie in deren Nähe waren!!! Sie wurden verschüttet und verletzt…
Sie hatten trotz allem, Glück im Unglück…Felipe hat zwar noch immer mit ständigen Schmerzen zu kämpfen und ist noch immer in Behandlung und Physiotherapie…
Leider kann er nun nicht mehr seinem Minen Job nachgehen, wo zwar sehr gefährlich war, ihm und seiner Familie aber ein gutes Einkommen sicherte. Er zeigt uns viele Bilder am PC-Bildschirm, von seiner ehemaligen Arbeit und seinen ehemaligen Arbeitskollegen.
Viel Wehmut und Melancholie begleitet ihn…glaube zu spüren, dass er vor allem die sehr wertvolle, sehr enge Beziehung zu seinen Freunden vermisst…
Felipe erzählt uns des weiteren, dass es in Bolivien noch sehr viele Flüsse und Berge mit hohem Mineraliengehalt gibt. Er kenne einen Bach, der nur so von Gold glitzert und von blossem Auge zu erkennen ist…Im wahrsten Sinne: eine Goldgrube!!!
Egal, ob es sich um einen erzreichen Fluss oder Berg handelt, man muss im nahegelegenen Dorf jeweils den Dorfältesten/den Dorfrat um Erlaubnis fragen, ob man hier/da kommerziellen Abbau betreiben darf. Wenn ja, wird ein mehrjähriger Nutzungsvertrag abgeschlossen, wo der Betreiber sozusagen den Berg oder den Fluss mietet und die monatlich vereinbarte Summe dem Dorf zukommen lässt…
Oft willigen sie den lukrativen “Deal” jedoch nicht ein, denn die Ausbeutung des Bodens, der Mutter Erde (nennen sie übrigens PACHAMAMA), sei TEUFELSZEUGS!!! Schön, bewundernswert, dass bei manchen Menschen, Völkern die intakte Natur, ein intaktes Ökosystem noch einen höheren Wert hat, als “gutes, leichtverdientes Geld und Reichtum”!!! Obwohl sie ihrem sehr einfachen, sehr bescheidenem Leben so einige Annehmlichkeiten hätten sich gönnen und “verbessern” können…
Die verabreichte Gelbfieber-Impfung macht uns extrem müde und schlapp…oder ist es doch die Höhe??? Egal, wie auch immer, wir machen’s wie die Einheimischen: “tranquillo, tranquillo”…was soviel bedeutet wie langsam, langsam…
Im gemütlichen Hostel lernen wir den netten Michael aus Köln kennen. Er erkundet Südamerika mit seinem eigenen, von Deutschland mitgebrachten Motorrad…Coool!!! Ich bin aber schon ein kleines bisschen neidisch, denn ich würde auch gerne auf so einer Maschine hocken, mobil & unabhängig sein und flexibel rumreisen können…jaja, mit meiner geliebten Vespa käme ich da aber leider nicht weit und vor dem ersten grösseren Schlagloch oder Schotterpiste müsste ich gleich wieder kapitulieren…Also bin ich sehr froh und sehr dankbar, darf ich sie bei Max und Margrit wohlbehütet einstellen Viiiiiiiiiiiiiiiiielen Dank!!!
Michael ist ein absoluter “Afrika-Fan” und mit seinen malerischen Erzählungen, seinem Feuer und dem Schwärmen für diesen Kontinent, macht er uns schon irgendwie ein bisschen “gluschtig”
Sucre ist mit seinen roten Ziegeldächern und den weissgetünchten Häusern einfach ein Traum und hat sehr viel Charme…und ganz besonders, wenn man die Aussicht vom Dach eines Regierungsgebäudes (Prefectura de Chuquisaca) oder einem der unzähligen Kirchentürmen und Kathedralen geniessen kann!!! Herrlich, auch die wunderschönen, stimmungsvollen, wolken- und energiegeladenen Himmel!!!
Jedoch ein klein wenig mulmig ist mir schon in dieser Höhe…einfach jetzt, in dem Augenblick bitte KEIN ERDBEBEN!!! Aber irgendein Gott wird uns sicherlich erhören und schützen, denn schliesslich stehen wir ja auf dem Dach oder eines Turms seines Gebetshauses
Auch Sucre in der Nacht hat einen ganz besonderen Reiz, was die Lichter, die herrliche Beleuchtung der vielen Kirchen angeht…jedoch kommen, sobald es Dunkel wird, überall düstere Gestalten aus den Steinen hervorgekrochen…aber zum guten Glück sind wir ja immer so müde und erschlagen, dass wir immer schön früh zu Bett gehen
Huhuuuuuuuuuu, Halloween ist zwar längst vorüber, doch gestatten wir dem riiiiiiiesigen Friedhof (natürlich tagsüber) einen Besuch ab. Die “letzte Ruhestätte” ist sogar soooo gross, dass mehrere Guids am Eingang Führungen anbieten…
Unglaublich, was gewissen Menschen zum Andenken ihrer geliebten Angehörigen für riesige Altare hegen und pflegen! Oder gar riesige, prunkvolle Familien-Mausoleen errichten!!! Viele Menschen auf der Strasse leben zu Lebzeiten nicht so feudal wie hier die Toten!!! Ein Mix zwischen schräg und irgendwie auch wiederum faszinierend weils so wahnsinnig skurril ist!!!
Also meine letzen Überreste sollen mal unter einer herrlichen Trauerweide, auf einem Berg oder in ein schönes Gewässer gestreut werden…ich mag’s lieber ein wenig natürlicher und möchte auch “danach” meine absolute FREIHEIT!!! Ganz ohne Kitsch und ohne Klimbim…
Als wir aus dem Friedhof spazieren stossen wir auf ein witziges französisches Paar, dass wir bereits mehrmals auf unserer Uyuni Tour getroffen haben…Während wir uns angeregt miteinander unterhalten, machen wir gleich nebenan eine spannende Beobachtung: eine Mutter sitzt auf einem kleinen Mäuerchen am Strassenrand und laust ihre kleine Tochter…soweit noch nichts Ungewöhnliches…doch als sie die Nissen, Läuse, was weiss ich auch immer aus den Haaren ihres Mädchens zieht, stopft sie sich anschliessend direkt in den Mund!!!??? Lecker??? Delikatesse??? Viiiiiel Protein??? Na ja, andere Länder, andere Sitten
Das Casa de la Libertad (Haus der Unabhängigkeit) ist gefüllt mit wundervollen Bildern und bietet eine liebevolle Ausstellung mit vielen Details und Informationen. Hier wurde am 6. August 1825 die bolivianische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Das Museum wurde zum Nationaldenkmal erklärt und ist so etwas wie das Gedächtnis Boliviens.
Ein Kinder-/Jugendorchester übt gerade Weihnachtslieder…es tönt zwar sehr, sehr schön, doch es bringt uns kein wenig in irgendwelche “Weihnachtsstimmung”…wahrscheinlich fehlt der Schnee, die eisigen Temperaturen und ein wärmendes Fondue oder Raclette dazu !!!
Sucre möchte auch mit seiner “guten Schokolade” punkten und werben…Rance, den wir auf dem Kreuzfahrtschiff kennengelernt haben schwärmte zwar mächtig davon…doch ein Einheimischer bestätigt uns, was wir eh schon annehmen: die Schweizer Schokolade schmecke aber noch viiiiiiel besser!!! Und da wir beide nicht sonderlich auf Süsses stehen, haben wir’s schlussendlich doch glatt vergessen sie zu kosten!!!